Viele, die mit dem Figurzeichnen anfangen, glauben, sie haben einfach kein Talent. Das stimmt so nicht.
Das eigentliche Problem ist meistens dasselbe: Man zeichnet, was man zu sehen glaubt, nicht was tatsächlich da ist. Das klingt trivial, ist es aber nicht.
Der Kopf als Maßeinheit
Ein erwachsener Mensch ist etwa 7,5 Kopflängen hoch. Die meisten Anfangszeichnungen kommen auf 5 oder 6, weil der Kopf intuitiv zu groß gerät.
Das passiert nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil das Gehirn Gesichter als wichtig einstuft und sie deshalb unbewusst vergrößert.
Schultern und Hüfte werden vertauscht
Bei Frauen sind die Schultern oft schmaler als die Hüfte, bei Männern umgekehrt. In der Praxis zeichnen Lernende beide Geschlechter mit annähernd gleich breiten Schultern und Hüften.
Das Ergebnis wirkt flach und leblos, obwohl die Einzelteile korrekt aussehen.
Arme enden zu früh
Die Fingerspitzen reichen bei entspanntem Stand bis zur Mitte des Oberschenkels. In den meisten Anfangszeichnungen enden sie kurz unterhalb der Hüfte.
Dieser Fehler fällt dem Zeichner selbst kaum auf, dem Betrachter aber sofort.
Figurzeichnen ist kein Ausdruck von Talent. Es ist das Ergebnis davon, gelernt zu haben, was man wirklich sieht.
Wer diese drei Punkte beim nächsten Versuch aktiv prüft, wird einen spürbaren Unterschied bemerken. Kein Versprechen, aber eine realistische Einschätzung.